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Immunsystem und Zucker in der Ernährung

Dieser Inhalt stammt von der zertifizierten Ernährungsberaterin Juliette Kellow.

Das Immunsystem verstehen

Das Immunsystem besteht aus einem komplexen Netzwerk von Zellen, Geweben und Organen, darunter weiße Blutkörperchen, Lymphsystem, Knochenmark, Milz und Thymus. Sie arbeiten zusammen, um potenzielle Bedrohungen zu erkennen und darauf zu reagieren, und tragen so dazu bei, den Körper vor Infektionen und Krankheiten zu schützen. Zu den Bedrohungen für den Körper zählen Bakterien, Pilze, Viren, Toxine, Fremdkörper und körperliche Verletzungen. Das Immunsystem reagiert auch auf interne Bedrohungen, wie etwa abnormale Zellveränderungen, die zu Krebs führen können.

Nach Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Immunität die Fähigkeit des Körpers, Krankheiten zu widerstehen. Sie versetzt den Körper in die Lage, sich mithilfe des Immunsystems gegen schädliche Krankheitserreger zu verteidigen (1). Es gibt zwei Hauptarten der Immunität:

Diese Form der Immunität bildet die erste Verteidigungslinie des Körpers und ist von Geburt an vorhanden. Zu ihr gehören Haut sowie dünne Schleimhäute, die Mund, Nase, Atemwege, Lunge und Verdauungstrakt auskleiden. Diese wirken als physikalische Barrieren und verhindern, dass schädliche Stoffe in den Körper gelangen. Zudem umfasst sie bestimmte Immunzellen, die eine schnelle, aber unspezifische Reaktion auf potenzielle Bedrohungen ermöglichen.

Diese Art der Immunität entwickelt sich im Laufe des Lebens – sei es durch den Kontakt mit bestimmten Krankheiten oder durch Impfungen, bei denen eine geringe, ungefährliche Menge eines krankheitserregenden Stoffes (oder eines Teils davon) verabreicht wird, um das Immunsystem zu stimulieren. Beispiele hierfür sind Impfstoffe gegen COVID-19, Masern, Grippe, Gürtelrose, Keuchhusten, Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung (Polio) und humane Papillomviren. Als Reaktion auf einen bestimmten schädlichen Stoff, wie etwa ein Virus, bildet der Körper Antikörper, die an diesen binden und ihn für die Zerstörung markieren. Das Immunsystem „merkt“ sich diese Antikörper, sodass es bei einem erneuten Auftreten derselben Bedrohung schnell reagieren und deren Beseitigung unterstützen kann (2).

Funktion des Immunsystems

Das Immunsystem hat die Aufgabe, Bedrohungen zu erkennen und zu beseitigen, die dem Körper schaden könnten; dabei variiert die Reaktion je nach Art der Bedrohung. So lösen beispielsweise Viren, Bakterien und Allergene jeweils unterschiedliche Immunreaktionen aus.

Eine Folge bestimmter Immunreaktionen ist die Freisetzung von Botenstoffen, die Entzündungen auslösen und typischerweise zu Symptomen wie Schwellungen, Rötungen und Schmerzen führen. Häufige Beispiele hierfür sind Insektenstiche, Bisse oder Halsentzündungen. Diese Art der Entzündung ist vorübergehend, tritt rasch auf und dient dazu, die Ursache der Verletzung oder Infektion zu beseitigen sowie den Heilungsprozess einzuleiten.

Es gibt jedoch Bedrohungen, die das Immunsystem über längere Zeiträume hinweg aktiv halten und dazu führen, dass es kontinuierlich entzündungsfördernde Botenstoffe freisetzt (3, 4). So versetzen beispielsweise Fettablagerungen in den Arterienwänden – sogenannte Plaques – das Immunsystem in ständige Alarmbereitschaft. Dies löst eine anhaltende Entzündungsreaktion aus, welche die Arterienwände im Laufe der Zeit weiter schädigen kann, sodass sich noch mehr Plaques ansammeln. Es entsteht ein Kreislauf, in dem zunehmende Plaquebildung weitere Entzündungen hervorruft, die wiederum weitere Schäden verursachen (5).

Diese Art der anhaltenden Entzündung – oft als „chronische niedriggradige Entzündung“ bezeichnet – entwickelt sich meist ohne wahrnehmbare Symptome und wird mit der Entstehung von Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen (6, 7), Typ-2-Diabetes (8), Demenz (9) und Krebs (10) in Verbindung gebracht.

Die Immunfunktion eines Menschen hängt von zahlreichen Faktoren ab, darunter die genetische Veranlagung, frühere Infektionen und erhaltene Impfungen. Auch Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung können eine Rolle spielen.

Zudem stehen viele Erkrankungen mit dem Immunsystem in Verbindung. Allergien entstehen beispielsweise, wenn das Immunsystem übermäßig auf eigentlich harmlose Substanzen reagiert. Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes, rheumatoide Arthritis und Lupus entwickeln sich, wenn das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene, gesunde Zellen angreift (13).
 

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Die Immunfunktion lässt mit zunehmendem Alter tendenziell nach, da die Anzahl der an der Immunantwort beteiligten Zellen abnimmt oder deren Leistungsfähigkeit sinkt. Auch Krankheiten, Adipositas, bestimmte Medikamente und der Lebensstil spielen eine wichtige Rolle: Rauchen, chronischer Stress, schlechter Schlaf, übermäßiger Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, Übertraining (Training, das die Regenerationsfähigkeit des Körpers übersteigt) sowie eine ungesunde Ernährung können die Immunfunktion beeinträchtigen (11, 12).

Wie die Ernährung die Immunfunktion beeinflusst

Zahlreiche Nährstoffe tragen zur normalen Funktion des Immunsystems bei, darunter Eisen, Zink, Kupfer, Selen sowie die Vitamine A, B6, B9 (Folat), B12, C und D. Nährstoffe wie die Vitamine A, B2, B3 und B7 (Biotin) spielen eine Rolle bei der Erhaltung normaler Haut und Schleimhäute, die die erste Verteidigungslinie des Körpers gegen schädliche Substanzen bilden. Auch Vitamin C und Zink sind wichtig für eine normale Haut (14, 15).

Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass langkettige Omega-3-Fettsäuren – die natürlicherweise in fettreichem Fisch vorkommen – zur Modulation des Immunsystems beitragen können, etwa durch die Beeinflussung der Aktivität von Immunzellen. Höhere Blutspiegel dieser Omega-3-Fettsäuren wurden zudem mit niedrigeren Werten entzündungsfördernder Substanzen im Blut in Verbindung gebracht; dies lässt vermuten, dass sie bei der Regulierung von Entzündungsprozessen helfen können. Allerdings bedarf es in diesem Bereich weiterer Forschung, bevor sich abschließende Schlussfolgerungen ziehen lassen (16, 17, 18).

Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass Darm und Immunsystem zusammenarbeiten, um den Körper vor Infektionen und Krankheiten zu schützen. Studien legen nahe, dass ein vielfältiges und ausgewogenes Darmmikrobiom das Immunsystem auf vielfältige Weise unterstützt – beispielsweise indem es die Ausbreitung schädlicher Bakterien verhindert, die Darmbarriere gesund hält, Immunreaktionen reguliert und Entzündungsprozesse beeinflusst (19).

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Das Darmmikrobiom, das aus Billionen mikroskopisch kleiner Organismen – vorwiegend Bakterien – im Dickdarm sowie den von ihnen produzierten Substanzen besteht, wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst, insbesondere von der Ernährung. Die stärksten Belege sprechen für eine Ernährungsweise, die reich an ballaststoffreichen pflanzlichen Lebensmitteln wie Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Obst, Gemüse, Nüssen und Samen ist (20, 21). Zudem sind viele pflanzliche Lebensmittel reich an Polyphenolen – pflanzlichen Verbindungen wie Flavonoiden, die natürlicherweise in Pflanzen vorkommen – denen einige Studien entzündungshemmende Eigenschaften zuschreiben (22).

Forschungsergebnisse zu Ernährungsmustern deuten konsistent darauf hin, dass eine Ernährung nach mediterranem Vorbild – reich an Vollkornprodukten, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen, Fisch und Olivenöl sowie mit geringen bis moderaten Mengen an Fleisch, Eiern und Milchprodukten – mit einer gesünderen Immunfunktion und niedrigeren Entzündungswerten einhergeht (23). Diese Ernährungsweise liefert typischerweise wichtige Nährstoffe wie Ballaststoffe, langkettige Omega-3-Fettsäuren sowie eine Vielzahl von Vitaminen und Mineralstoffen, die allesamt eine wichtige Rolle bei der Unterstützung des Immunsystems spielen. Eine aktuelle Übersichtsarbeit von randomisierten kontrollierten Studien ergab zudem, dass die mediterrane Ernährung mit niedrigeren Werten verschiedener Entzündungsmarker assoziiert ist; dies deutet darauf hin, dass sie vor chronischen Entzündungen schützen könnte, wenngleich die Forschenden einräumten, dass weitere qualitativ hochwertige Studien erforderlich sind, um dies zu bestätigen (24).

Im Gegensatz dazu werden weniger ausgewogene Ernährungsmuster – die typischerweise reich an gesättigten Fettsäuren und raffinierten Kohlenhydraten sowie arm an Ballaststoffen, Obst und Gemüse sind – mit einer schlechteren Immunfunktion (25) und höheren Entzündungswerten (26, 27) in Verbindung gebracht. Allerdings beruht ein Großteil der diesbezüglichen Belege auf Beobachtungsstudien. Diese zeigen zwar Zusammenhänge auf, können jedoch keine Ursache-Wirkungs-Beziehung beweisen. Dennoch liefern weniger ausgewogene Ernährungsweisen möglicherweise weniger Nährstoffe, die die Immunfunktion unterstützen, und lassen häufig Ballaststoffe vermissen, die zur Förderung eines vielfältigen Darmmikrobioms beitragen.

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Zuckeraufnahme und Immunfunktion

In den Medien wird eine hohe Zuckeraufnahme häufig dafür verantwortlich gemacht, dem Immunsystem zu schaden, Entzündungen zu verursachen oder die Anfälligkeit für Infektionen zu erhöhen. Zudem wird bisweilen für sogenannte Zucker-„Detoxes“ geworben, um Entzündungen zu reduzieren oder die Immunfunktion zu „stärken“. Solche Behauptungen sind jedoch überzogen und werden nicht durch wissenschaftliche Belege gestützt.

Immunzellen nutzen Glukose als Energiequelle (sie können auch Aminosäuren – die Bausteine von Proteinen – sowie Fettsäuren verwerten); ihr Bedarf steigt bei Aktivierung an, etwa wenn der Körper eine Infektion bekämpft (15). Diese Glukose stammt aus dem Abbau von Kohlenhydraten während der Verdauung und gelangt in die Blutbahn, von wo aus sie entweder zu den Zellen transportiert wird, um Energie zu liefern, oder für eine spätere Verwendung gespeichert wird. Da Glukose den Zellen des Immunsystems Energie liefert, sind weit verbreitete Behauptungen, Zucker sei „schädlich für das Immunsystem“ oder ein „Verzicht auf Zucker stärke die Immunfunktion“, durch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse nicht gestützt.

Auch die Belege für einen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Zucker und Entzündungsprozessen sind begrenzt. Zwar wurden Verbindungen zwischen einer hohen Zuckeraufnahme (insbesondere durch gezuckerte Getränke) und erhöhten Entzündungsmarkern im Blut beobachtet, doch handelt es sich dabei vorwiegend um Ergebnisse aus Beobachtungsstudien (28, 29), die keine Kausalzusammenhänge belegen können. Andere Faktoren der Ernährung und Lebensweise könnten für die beobachteten Zusammenhänge verantwortlich sein. Um fundierte Schlussfolgerungen ziehen zu können, sind weitere Erkenntnisse aus Interventionsstudien erforderlich (30).

Zudem ist zu beachten, dass bereits Essen und Trinken selsbt kurzfristige Stoffwechsel- und Immunreaktionen auslöst, während der Körper Nährstoffe verarbeitet und auf potenziell schädliche Substanzen prüft; diese Reaktionen sind jedoch normal und sinnvoll. Behauptungen, wonach normale, kurzzeitige Anstiege des Blutzuckerspiegels nach dem Essen – in der populären Presse bisweilen als „Glukose-Spikes“ bezeichnet – bei ansonsten gesunden Menschen schädliche Entzündungen auslösen, sind durch wissenschaftliche Belege nicht gestützt. Studien deuten jedoch darauf hin, dass eine Hyperglykämie (abnormal hoher Blutzuckerspiegel) – wie sie etwa bei Menschen mit Prädiabetes oder schlecht eingestelltem Diabetes auftritt – über einen längeren Zeitraum hinweg die Immunfunktion beeinträchtigen (31) und mit chronischen Entzündungen einhergehen kann (32).

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Zusammenfassung

Derzeit fehlen qualitativ hochwertige Langzeitstudien, die darauf hindeuten, dass eine hohe Aufnahme von Zucker per se die Immunfunktion beeinträchtigt oder chronische Entzündungen verursacht. Vielmehr stützen wissenschaftliche Untersuchungen eher die Annahme, dass die allgemeinen Ernährungsgewohnheiten – und nicht einzelne Lebensmittel oder Inhaltsstoffe – einen größeren Einfluss auf unser Immunsystem haben.

Zuletzt überprüft im Juni 2026. Nächste Überprüfung fällig im Juni 2029.

Referenzen

1. World Health Organisation. WHO Definition of Immunity. Available at: publichealth.com.ng/who-definition-of-immunity/

2. Gov.UK. The Green Book, Chapter 1: Immunity and how vaccines work. Available at: https://www.gov.uk/government/publications/immunity-and-how-vaccines-work-the-green-book-chapter-1

3. Chavda VP, Feehan J and Apostolopoulos V. Inflammation: The Cause of All Diseases. Cells. 2024;13(22):1906.

4. Pahwa R, Goyal A and Jialal I. Chronic Inflammation. Available at: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK493173/

5. Libby P. Inflammation during the life cycle of the atherosclerotic plaque. Cardiovasc Res. 2021;117(13):2525–2536.

6. Hotamisligil GS. Inflammation and metabolic disorders. Nature. 2006;444 (7121):860–867. 

7. Mensah G al. Inflammation and Cardiovascular Disease: 2025 ACC Scientific Statement: A Report of the American College of Cardiology. J Am Coll Cardiol. 2025: 0735-1097(25)07555-2. 

8. Donath MY and Shoelson SE. Type 2 diabetes as an inflammatory disease. Nat Rev Immunol. 2011;11(2):98-107.

9. Xu G et al. Plasma C-reactive protein is related to cognitive deterioration and dementia in patients with mild cognitive impairment. J Neurol Sci. 2009;284(1-2):77–80. 

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11. Zimmermann P Curtis N. Factors That Influence the Immune Response to Vaccination. Clin Microbiol Rev. 2019;32(2):e00084-18. 

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17. Gutiérrez S, Svahn SL and Johansson ME. Effects of Omega-3 Fatty Acids on Immune Cells. Int J Mol Sci. 2019;20(20):5028. 

18. NIH. Dietary supplements for immune function and infectious disease. Fact sheet for health professionals. Available at: https://ods.od.nih.gov/factsheets/ImmuneFunction-HealthProfessional/#h71

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20. Aslam H et al. Dietary interventions and the gut microbiota: a systematic literature review of 80 controlled clinical trials. J Transl Med. 2026;24(1):39. 

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32. Esposito K et al. Inflammatory cytokine concentrations are acutely increased by hyperglycemia in humans: role of oxidative stress. Circulation. 2002;106(16):2067-72.